Wenn
deine Zuversicht
ein Baum wäre,

 

 

 

wie klänge er?

 

 

 

Schreibbibliothek
Räume zum Lesen, Schreiben, Reflektieren

 

Willkommen in meiner Schreibbibliothek

 

Manche Antworten finden wir nicht, indem wir noch länger nachdenken.

 

Sie zeigen sich, wenn wir langsamer werden. Wenn Gedanken auf Papier ihren Platz finden. Vor allem, wenn wir beginnen, uns selbst zuzuhören.

In der Schreibbibliothek findest du Texte und Schreibimpulse, die dich dabei begleiten möchten, innezuhalten, Klarheit zu gewinnen und deiner eigenen inneren Stimme näherzukommen.

Jeder Beitrag eröffnet einen kleinen Raum zum Lesen, Schreiben und Reflektieren.

 

Vielleicht genügt es für heute, einen Satz aufzuschreiben.

Bevor ich morgens aufstehe, bin ich schon genervt

Es ist 5:17 Uhr. Ich bin wach.

Das ist eigentlich noch keine schlechte Nachricht. Ich habe geschlafen. Nicht besonders gut, aber immerhin. Der Wecker hat noch nicht geklingelt, draußen ist es still, und für einen kurzen Moment könnte dieser Tag alles Mögliche werden.

Dann denke ich an die Küche.

An die Teller, die gestern Abend stehen geblieben sind. An die E-Mail, die ich beantworten muss. An den Termin um zehn. An die Wäsche. An diese eine Person, die mir gestern etwas geschrieben hat, worauf ich vernünftigerweise erst einmal nicht reagieren sollte.

Ich bin genervt.

Noch bevor ich aufgestanden bin.

Früher hätte ich dafür vermutlich einen Grund gesucht. Heute weiß ich: Manchmal ist der Grund einfach, dass ich in einer anderen „hormonellen Landschaft“ wohne (Diese Bezeichnung für die Wechseljahre habe ich irgendwo mal aufgeschnappt und finde sie so treffend, dass ich sie hier anbringen muss).

Perimenopause: Wenn der Körper plötzlich andere Pläne hat

Die Perimenopause ist diese merkwürdige Übergangszeit vor der eigentlichen Menopause. Sie kann Jahre dauern und kommt nicht unbedingt mit einem großen Schild daher. Stattdessen schleichen sich Veränderungen ein.

Der Zyklus wird unberechenbarer. Der Schlaf wird schlechter. Die Temperatur im eigenen Körper entwickelt gelegentlich einen Ehrgeiz, der einer Sauna Konkurrenz macht. Die Stimmung kann ohne vorherige Anmeldung kippen und im Nachgang kann ich nicht einmal eine Begründung dafür liefern. Und plötzlich sitze ich morgens im Bett und frage mich, warum mich das Geräusch eines vorbeifahrenden Autos persönlich beleidigt.

Die Wechseljahre sind eben nicht nur Hitzewallungen.

Das ist eine der Erkenntnisse, die ich gern früher gehabt hätte.

Wechseljahre, Perimenopause und Menopause werden oft in einen Topf geworfen, obwohl sie nicht dasselbe bedeuten. Die Perimenopause beschreibt die Übergangsphase. Die Menopause selbst ist medizinisch ziemlich unspektakulär definiert: Sie ist rückblickend erreicht, wenn zwölf Monate lang keine Menstruation mehr stattgefunden hat.

Das Interessante passiert allerdings lange davor. Und einiges davon findet morgens um 5:17 Uhr statt.

Intuitives Schreiben, wenn ich selbst nicht weiß, was los ist

Ich schreibe seit einigen Jahren wieder. Nicht immer regelmäßig und schon gar nicht immer schön. Aber irgendwann habe ich angefangen, morgens einfach aufzuschreiben, was da ist. Nicht literarisch, nicht verschnörkelt, nicht schön, manchmal voller Fehler und mit ordentlichen Kraftausdrücken. Ich schreibe für mich, nicht für andere. Keiner soll das lesen. Es spielt keine Rolle, ob ich das für wahr halte, was ich schreibe. Ich schreibe einfach das, was zuerst kommt.

Durch intuitives Schreiben hat sich in dieser Zeit der Wechseljahre etwas verändert. Ich merke schneller, wenn etwas nicht stimmt. Oder besser: Ich merke, dass etwas nicht stimmt, bevor ich weiß, was es ist.

Dann schreibe ich:

Ich bin heute schon genervt.

Und manchmal folgt:

Ich will nicht.

Was auf den ersten Blick nicht besonders tiefgründig klingt. Aber wenn ich weiterschreibe, wird es interessant.

Ich will nicht wieder alle Erwartungen erfüllen.

Ich will nicht freundlich sein, wenn ich eigentlich erschöpft bin.

Ich will nicht so tun, als wäre ich ausgeschlafen.

Ich will nicht ständig erklären, warum mir etwas zu viel ist.

Und plötzlich geht es gar nicht mehr um die Teller in der Küche. Das ist der Moment, in dem intuitives Schreiben für mich nützlich wird: Es produziert keine Antworten auf Bestellung. Es legt manchmal Dinge frei, die ich im Alltag ziemlich erfolgreich übersehe.

Die Wechseljahre machen mich nicht zu einem anderen Menschen

Das klingt vielleicht banal, ist es aber für mich nicht. Denn eine Zeit lang hatte ich den Eindruck, ich müsste mich irgendwie wieder reparieren. Besser schlafen. Mehr Sport. Gesünder essen. Weniger Stress. Mehr Geduld. Weniger Kaffee. Mehr Wasser. Früher ins Bett.

Alles vernünftige Vorschläge. Und vermutlich ist vieles davon tatsächlich hilfreich. Aber irgendwann wurde mir klar, dass ich nicht ausschließlich ein Projekt zur Optimierung meiner selbst bin. Vielleicht bin ich müde, weil ich müde bin. Vielleicht bin ich gereizt, weil meine Hormone gerade Dinge veranstalten, von denen ich nicht eingeladen wurde. Vielleicht bin ich aber auch gereizt, weil ich seit Jahren an manchen Stellen über meine eigenen Grenzen gehe und mein Körper irgendwann beschlossen hat, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Die Menopause ist deshalb für mich nicht nur eine biologische Zäsur. Sie ist auch eine ziemlich nüchterne Bestandsaufnahme.

Was passt noch?

Was nicht?

Was mache ich aus Gewohnheit?

Und worauf habe ich eigentlich keine Lust mehr?

Schreiben ohne Plan

Beim intuitiven Schreiben geht es mir nicht darum, morgens ein kleines literarisches Meisterwerk zu produzieren. Im Gegenteil. Je schlechter die Sätze, desto besser. Ich schreibe, wie ich denke. Halbe Sätze. Wiederholungen. Widersprüche. Manchmal eine Seite lang denselben Gedanken in fünf Varianten. Das Schöne daran ist: Niemand muss das lesen. Ich muss es nicht einmal selbst noch einmal lesen. Das nimmt dem Schreiben diesen merkwürdigen Zwang, etwas darstellen zu müssen. Und vielleicht ist genau das in einer Lebensphase hilfreich, in der man ohnehin ständig mit Vorstellungen davon konfrontiert wird, wie man sein sollte.

Gelassen.

Weise.

Gut gelaunt.

Dankbar.

Körperbewusst.

Am besten auch noch mit einem Leinenkleid auf einer Klippe.

Ich bin manchmal einfach schlecht gelaunt.

Auch das gehört zum menschlichen Spektrum.

Vielleicht beginnt Veränderung nicht mit einer Lösung

Was ich am Schreiben inzwischen schätze, ist nicht, dass es meine Probleme löst. Das tut es nicht.

Eine schlecht geschlafene Nacht wird durch drei Seiten Tagebuch nicht plötzlich erholsam. Ein Hitzeschub verschwindet nicht, weil ich ihn besonders treffend beschrieben habe. Und wenn ich um halb sieben morgens keine Lust auf die Welt habe, wird die Welt davon leider nicht kleiner.

Aber ich höre mich selbst wieder.

Das ist etwas anderes.

Gerade in der Perimenopause, wenn sich vieles körperlich und emotional verschiebt, kann das erstaunlich wertvoll sein. Ich muss nicht sofort wissen, was mit mir los ist. Ich kann erst einmal feststellen, dass etwas los ist. Und dann schreiben. Selbstverständnis beginnt manchmal nicht mit einer Erkenntnis, sondern mit einem ziemlich unbeeindruckenden Satz wie:

Bevor ich morgens aufstehe, bin ich schon genervt.

Von dort aus kann man weiterschreiben. Ich jedenfalls mache das. Nach Möglichkeit vor der ersten Tasse Kaffee. Was nicht immer eine gute Idee ist. Wenn ich daran denke, bin ich schon jetzt genervt...

Bevor du nun einen langen Anlauf nehmen möchtest, empfehle ich dir, einfach intuitives Schreiben auszuprobieren. Nimm irgendein Papier, irgendein Stift oder einen meiner Workshops als Starthilfe.

Workshops zum Thema Wechseljahre:

Raus aus dem Funktionieren - bei mir ankommen
Was will ich eigentlich? - Zeit für mich und meine Bedürfnisse

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Karen Gimmler

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