
Wenn deine Freude eine Blüte wäre...
Manchmal sagt unsere Wahrnehmung der Natur etwas über uns aus, noch bevor wir selbst Worte dafür finden.
Ein kahler Baum kann sich für mich manchmal trist anfühlen, manchmal wie ein wunderbares Kunstwerk. Ein Gewitter erinnert mich manchmal an meine Wut, manchmal bin ich von diesem Schauspiel fasziniert wie ein kleines Kind. Und dann gibt es diese wunderbaren Augenblicke, in denen ganz hinten im Garten eine Blüte aufgeht, kaum sichtbar und doch wunderschön. Manchmal gehe ich daran vorbei, manchmal ist meine Freude über dieses zarte Pflänzchen riesengroß.
Und wahrscheinlich würde man mir meine Freude in diesem Augenblick kaum ansehen, denn in solchen Augenblicken ist meine Freude wie dieses zarte Pflänzchen.
Wenn meine Freude eine Blüte wäre
An anderen Tagen wäre meine Freude vielleicht eine Sonnenblume. Groß. Sichtbar. Sehr darauf bedacht, sich dem Licht entgegenzustrecken. Oder sie wäre eine kleine Wildblume am Wegesrand. Eine, die man leicht übersieht, wenn man es eilig hat. Ihr Stängel dünn, die Blütenblätter ein wenig zerzaust vom Wind. Und trotzdem steht sie da. Unbeirrbar.
So fühlt sich Freude für mich manchmal auch an.
Wie der erste warme Wind nach einem langen Winter. Wie Gras unter nackten Füßen. Wie Sonnenlicht auf der Haut, nachdem man tagelang nur grauen Himmel gesehen hat. Die Natur wird dabei zum Spiegel unserer Emotionen. Wir sehen in ihr nicht nur Bäume, Wasser und Blumen. Wir erkennen Zustände, die wir aus unserem eigenen Inneren kennen.
Der Wald muss nicht erklären, warum er im Herbst seine Blätter verliert. Der See schämt sich nicht für seine Wellen. Und eine Blüte fragt nicht, ob sie gerade schön genug ist.
Vielleicht dürfen auch unsere Gefühle so sein.
Trauer darf sich wie ein kahler Zweig anfühlen. Wut wie ein Gewitter, das sich lange zusammengebraut hat. Sehnsucht wie Nebel zwischen den Bäumen.
Und Freude?
Vielleicht ist sie eine Blüte, die heute aufgeht, weil irgendwo in dir wieder ein wenig Licht angekommen ist.
Die Natur als Weg zu den eigenen Gefühlen
Wer bewusst durch die Natur geht, kann die eigene Gefühlswelt manchmal anders wahrnehmen. Ein Spaziergang wird dann mehr als Bewegung an der frischen Luft. Er wird zu einer kleinen Begegnung mit sich selbst.

Ein kleiner Schreibimpuls
Nimm dir zehn Minuten Zeit, entweder in der Natur oder nach einem Spaziergang.
Beginne mit dem Satz:
Wenn meine Freude eine Blüte wäre, ...
Wäre sie eine zarte Knospe? Eine wilde Wiesenblume? Eine Blüte, die sich gerade erst öffnet? Welche Farben hat sie, und welche Form? Ist sie groß oder klein, zart oder kraftvoll?
Zum Schluss
Es gibt darauf keine richtige Antwort. Es gibt deine Antwort. Und diese kann jeden Tag anders aussehen.
Vielleicht möchtest du lieber gemeinsam mit anderen schreiben?
Manchmal fällt es schwer, sich im Alltag die Zeit zum Schreiben zu nehmen. Dann kann der erste Schritt dahin gemeinsam mit anderen leichter sein. Gemeinsam schreiben verbindet und es lässt einen Raum für Resonanz und Verbindung entstehen.
Hier sind passende Workshops für dich:
Wenn die Blätter fallen - Von der Kunst leichter zu werden
Unter kahlen Zweigen - Was jetzt sichtbar wird
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